Handelsystem COC - signal4friends.de

Handelssystem COC

Das einfache Handelssystem COC steht für Close–Open-Close und verwendet als Einstiegssignal das Kriterium, dass der Eröffnungskurs des aktuellen Handelstages über dem Schlusskurs des gestrigen Tages liegt.

Wenn z.B.

dann erfolgt der Einstieg zum Eröffnungskurs; dabei wird angenommen, dass exakt zum Eröffnungskurs in das Wertpapier eingestiegen wird, was in der Praxis kaum möglich ist.

Der Ausstieg erfolgt zum Schlusskurs des Wertpapiers am gleichen Handelstag. Dies bietet den Vorteil, dass keine Positionen über Nacht gehalten werden.

Backtest am DAX Performance Index

Um zu überprüfen, ob mit diesem einfachen Handelssystem Gewinne in der Vergangenheit erwirtschaftet wurden, wird ein Backtest über einen möglichst langen Zeitraum durchgeführt, der verschiedene Phasen den Marktes (Bullen- und Bärenmärkte sowie Seitwärtsmärkte) berücksichtigt.

In Excel wird mit einer wenn-dann-Abfrage die jeweilige Punktedifferenz zwischen Schlusskurs und Eröffnungskurs bestimmt, wenn der Eröffnungskurs über dem Schlusskurs des Vortages lag.

Falls der Eröffnungskurs unterhalb des Schlusskurses des Vortages lag, dann findet kein Handel mit Wertpapieren statt, d.h. in Excel wird der entsprechende Wert der Zelle auf den Wert „Null“ gesetzt.

Für den Zeitraum 1.1.1999 bis 2.1.2017 ergibt sich für folgende definierten folgendes Ergebnis für den Backtests:

Anzahl der Trades (Haltedauer 1 Tag):                    2497
Anzahl der Gewinntrades:                                      1445
Anzahl der Verlusttrades:                                       1052

Gewinnquote der Trades bezogen auf Punkte:         56,4%

Gewinnquote der Trades bezogen auf Prozent:        57,8%

Die Angaben in Prozent beziehen sich auf die prozentualen Gewinne oder Verluste bezogen auf den Eröffnungskurs.

Beispiel: Eröffnung bei 10.000 DAX Punkten und Schlusskurs bei 10100 Punkten bedeutet 1% Gewinn.

 Prozentuale Gewinne

Summe der prozentualen Gewinne:                1343,3% (Mittelwert 0,93% pro Trade)
Summe der prozentualen Verluste:                -981,2% (Mittelwert -0,93% pro Trade

Netto-Gewinn (Differenz Gewinn/Verlust):     362,1%

Gewinnquote der Trades:                               57,8%

 Interessant ist, dass die prozentualen Gewinne höher liegen als die Gewinne in Punkten.

Nun werfen wir einen Blick auf Entwicklung der idealen Gewinnkurve unseres Handelssystems.

Dabei sind natürlich Ordergebühren von Wertpapieren, eventuelle Spreads (Unterschiede zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis) der Wertpapiere oder Zeitwertverluste usw. nicht berücksichtigt.

Bild:   Handelssystem COC auf DAX Performance Index angewendet imZeitraum 01/1999 bis12/2016

Dem obigen Bild kann entnommen werden, dass das Handelssystem verschiedene Phasen aufweist. Die Datensätze von etwa 50 bis etwa 200 weisen zunächst nur Verluste auf. Dann ergibt sich trotz fallenden DAX Performance Index (Bärenmarkt) im Bereich der Datensätze 300 bis 1100 eine recht gute Performance, die nur durch teilweise starke Rücksetzer (Verluste des Systems), sogenannte Draw Downs, getrübt wird.

Solche Drawdowns sind in der Regel für die meisten Trader nicht gerade „nervenschonend“, da in genau solchen Phasen von Verlusten der Trader an sein System weiter glauben muss. Insofern ist für mich auch im Hinblick auf die Qualität eines Handelssystems die Fragen nach der Anzahl der maximalen Fehltrades (Trades mit Verlusten) in Folge ein wichtiges Kriterium, um Handelssysteme hinsichtlich Ihrer Qualität zu bewerten.

Danach stellt sich eine Phase schöner Gewinne im Bereich der Datensätze von 1100 bis 2400 ein, die geprägt ist von eher kleineren Rücksetzern bzw. Verlustphasen. Genau in diesem Zeitraum von immerhin 1300 Handelstagen (1 Kalenderjahr hat ca. 250 Handelstage) war ein langer Bullenmarkt zu verzeichnen, der den DAX von unter 3000 Punkten bis über 8000 Punkte führte.

Danach weist das Handelssystem keine gute Performance mehr auf, obwohl sich Bären- und Bullenmärkte beim DAX Performance Index schön aufzeigen lassen. Erstaunlich ist vor allem, dass selbst in Bullenmärkten keine Gewinne mehr erwirtschaftet werden.

Die Erklärung hierfür ist, dass sich das Marktverhalten grundlegend geändert hat. Ein Anstieg des DAX Performance Index über Nacht mag in der Vergangenheit zumindest in Bullenmärkten ein guter Trendfilter gewesen sein, da er als Indikation von weiter steigenden internationalen Aktien-Märkten gewertet werden konnte (auch heute hört man noch oft in den Wirtschaftsnachrichten, dass die Vorgaben aus Amerika und Asien bezüglich der Aktienmärkte gut sind und man daher einen höheren Eröffnungskurs für den DAX Performance Index erwartet) – aber eine Schlussfolgerung für die weitere Entwicklung des DAX Performance Index im Laufe eines Handelstages lässt sich daraus nicht mehr ableiten.