Kennzahlen - signal4friends.de

Kennzahlen von Handelssystemen

Im folgenden Artikel sind die aus meiner Sicht wichtigsten Kennzahlen eines Handelssystems aufgeführt und erläutert.

Gewinnquote und Profitfaktor

Die prozentuale Gewinnquote berechnet sich aus dem Gesamtgewinn geteilt durch die Summe aus Gesamtgewinnen und Gesamtverlusten in einem betrachteten Zeitraum.

Eine Gewinnquote von 66% bedeutet, dass z.B. 2 von 3 Trades mit Gewinn enden unter der Annahme, dass die Gewinne und Verluste immer gleich groß sind.

Abkürzungen:

Gewinnquote:        GQ [ % ]
Gesamtgewinn:      GG in [ %, Euro oder Punkten] in einem bestimmten Zeitraum
Gesamtverlust:       GV in [ %, Euro oder Punkten] in einem bestimmten Zeitraum

Der Profitfaktor berechnet sich aus dem Gesamtgewinnen geteilt durch die Gesamtverluste in einem betrachteten Zeitraum.

Abkürzung:

Profitfaktor:           PF [ - ]

Wie ist nun der Zusammenhang zwischen Gewinnquote und Profitfaktor?

Eine Gewinnquote von 66% entspricht einem Profitfaktor von 2 bzw. es gilt folgender mathematischer Zusammenhang:

Eine Gewinnquote von 80% entspricht z.B. einem Profitfaktor von 4.

Viele Handelssysteme arbeiten mit Profitfaktoren im Bereich von 1,4 bis 2,0, also ca. 58% - 66% Gewinnquote, insbesondere, wenn mit Verlustbegrenzungsstopps gearbeitet wird.

Wenn Profitfaktoren in kurzen Zeiträumen oder für Handelssystem, die nur wenige Trades auslösen in einem Zeitraum, berechnet werden, dann können diese Profitfaktoren auch deutlich größer (oder kleiner ausfallen).

Insofern spricht für ein gutes Handelssystem eine kontinuierlich im Verlauf ansteigende Gewinnkurve.

Kontinuierliche Gewinnkurve eines stabilen Handelssystems

Bild: stabiler Gewinnverlauf eines Handelssystems 

 

Maximaler Drawdown (Closed Equity / Open Equity)

Der maximale Drawdown ist der sich maximal einstellende Verlust seit dem Höchstwert der Gewinnkurve, der nur für geschlossene Positionen berechnet wird. Daher wir dieser Drawdown auch als Closed Equity Drawdown bezeichnet, da er sich nur auf geschlossene Positionen bezieht. Beim Testen eines Handelssystems mit Vergangenheitsdaten (sogenanntes Back Testing) wird häufig nur dieser Close Equity Drawdown beachtet.

Hierzu sei ein konkretes Zahlenbeispiel gegeben: Wenn direkt zu Anfang des Handels mit einem System sich Verluste einstellen und sich das Kapital auf dem Depot von 10.000,- Euro auf z.B. minimal 8.000,- Euro reduziert, um danach wieder anzusteigen, so beträgt der Drawdown 20% bezogen auf den Höchstwert des Kapitals (in unserem Beispiel der Startwert des Kapitals zu Beginn des Handels mit dem Handelssystem).

Es ist zu beachten, dass nach oben genannten 20% Verlust anschließend 25% Gewinn notwendig sind, um wieder von minimal 8.000,- Euro sein Depot auf das Startkapital von 10.000,- Euro auszugleichen.

Daher ist ein möglichst kleiner maximaler Drawdown anzustreben. Handelsysteme mit einem Drawdown kleiner als 10 bis 15% sind aus meiner Sicht bereits sehr gute Handelssysteme.

Es ist aber auch noch ein weiterer Drawdown zu beachten, der in den Gewinnkurven häufig nicht gezeigt wird. Dieser sogenannte Open Equity Drawdown ergibt sich beim Halten der offenen Positionen aus den tiefsten Kursen – psychologisch ist dieser Open Equity Drawdown extrem wichtig, denn es gilt, die Position hier durchzuhalten und nicht gerade beim tiefsten Kurs den Verlust zu realisieren, um vermeintlich noch tiefere Verluste zu vermeiden. Ich spreche hier aus eigener Erfahrung – auf diese Art kann man hochprofitable Handelssysteme hinsichtlich Ihrer Gewinnkurve „zerstören“ uns sich erhebliche Verluste einfahren. Dies gilt insbesondere für Handelssysteme, die ohne Verlustbegrenzungsstopps arbeiten.

Handelssysteme, die ohne Verlustbegrenzungsstopps arbeiten, weisen häufig über einen längeren Zeitraum deutlich höhere Profitfaktoren auf; dafür muss man in der Regel dann aber auch deutlich höher Drawdowns akzeptieren.

Auch die Dauer eines Drawdowns ist von großer Bedeutung für die Physchologie, denn schließlich muss nach einem Drawdown das Handelssystem erst wieder so lange Gewinne erwirtschaften, bis der alte Höchststand der Kapitalkurve erreicht ist.

Maximale Anzahl der Verlusttrades in Folge

Die maximale Anzahl von aufeinander folgenden Verlusttrades ist eine extrem wichtige psychologische Hürde. In der Regel ist eine Serie von Verlusttrades immer verbunden mit einem starken Drawdown der Kapitalkurve. Insofern werte ich nicht nur die maximale Anzahl von aufeinander folgenden Verlusttrades aus, sondern auch deren Verteilung: wie wahrscheinlich ist z.B. dass nach einem Verlustrades ein weiterer Verlusttrades folgt.

Wenn im Livehandel auf einmal mehr aufeinander folgende Verlusttrades auftreten als im Backtest, so ist das Handelssystem zu hinterfragen.

Welcher Trader ein bestimmte Anzahl aufeinander folgender Verlusttrades „aushält“, ist wieder abhängig von der Persönlichkeit.

Ich persönlich halte bereits 3 bis 5 Verlusttrades in Folge bei Systemen ohne Verlustbegrenzungsstopp für grenzwertig im Hinblick auf meine eigene Psychologie – schließlich hat man sich das eingesetzte Kapital in der Regel zuvor hart erarbeitet.

Neben den Verlustserien sind auch die Trades mit den höchsten Verlusten im Backtest als mentale Hürde beim Handeln eines Handelssystems zu berücksichtigen.

Verhältnis der Anzahl von Gewinntrades zu der Anzahl von Verlusttrades

Die Kennzahl „Anzahl der Gewinntrades in %“ spielt ebenfalls unter psychologischem Aspekt eine Rolle. In der Praxis sagt diese Kenngröße wenig über die Gewinnmöglichkeiten eines Systems aus.

In der Regel steigt die Anzahl an Verlusttrades mit Einführung von Verlustbegrenzungsstopps in ein Handelssystem; dafür wird aber die Höhe der Verluste begrenzt. Je enger der Verlustbegrenzungsstopp gesetzt wird, desto mehr Verlusttrades werden generiert, allerdings mit kleiner werden absoluten Verlusten.

Ein System, welches aufgrund von Verlustbegrenzungsstopps lediglich 34% Gewinntrades aufweist, kann auch erfolgreich sein. In Summe müssen die absoluten Gewinne nur größer sein, als die Verluste der 66% Verlusttrades.

In der Praxis ist es aus meiner Sicht schwierig, ein System zu handeln, welches viele Verlusttrades generiert – insbesondere dann, wenn die Kurse anschließend wieder in die Gewinnzone gelaufen sind und man das Gefühlt hat, etwas verpasst zu haben.

Ich persönlich bevorzuge eher Systeme mit einer hohen Anzahl von Gewinntrades, weil mir dies ein „besseres Gefühl“ gibt – hier muss aber jeder Trader seinen eigenen Handelsstil entwickeln.

Durchschnittlicher Gewinn bzw. Verlust pro Trade

Erst die Kombination aus Verhältnis der Anzahl der Gewinntrades zu der Anzahl der Verlusttrades mit den durchschnittlichen Gewinnen bzw. Verlusten eines Trades bestimmt die eingangs erläuterte Gewinnquote bzw. den Profitfaktor.

Abkürzungen:

Profitfaktor:           PF [ - ]
Gesamtgewinn:      GG in [ %, Euro oder Punkten] in einem bestimmten Zeitraum
Gesamtverlust:       GV in [ %, Euro oder Punkten] in einem bestimmten Zeitraum
Anzahl der Gewinntrades:         nG
Anzahl der Verlusttrades:          nV
Kontinuierliche Gewinnkurve eines stabilen Handelssystems

Gewinne über bestimmte Perioden

Die Gewinne sollten beim Backtest eines Systems entsprechend hoch sein, damit sich Ihr Zeitaufwand auch rechnet. Weiterhin ist die Verteilung der Gewinne pro Periode wichtig, d.h. wie ist die durchschnittliche Performance des Systems pro Monat oder pro Jahr, wie stark ist die Streuung der Gewinn- bzw. Verlustquoten in diesen betrachteten Zeiträumen. Es sollte hier keine großen Ausreißer geben (siehe auch Drawdowns); eine geringe Standardabweichung vom Mittelwert der Gewinnquoten sind das Ziel und möglichst wenig Perioden mit Verlusten.